Nachhaltigkeit im Großanlagenbau

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Die Branche entwickelt ausgereifte umwelttechnische Lösungen für eine energie- und ressourcenschonende Produktion.

Ambitionierte Klimapolitik in Europa

Der Großanlagenbau ist Ausrüster vieler energie- und treibhausgasintensiver Industrien, zu denen etwa die Branchen Chemie, Energie, Papier, Stahl und Zement gehören. Aufgrund strenger werdender regulatorischer Vorgaben sind diese Sparten bestrebt, ihren Energieverbrauch und den Ausstoß klimarelevanter Gase signifikant zu senken.

In Europa geschieht dies vor dem Hintergrund einer ambitionierten Klima- und Energiepolitik, wonach die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 55 % gegenüber 1990 sinken sollen und der Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen gleichzeitig auf mindestens 32 % steigen soll. Bis 2050 hat die EU sogar das Ziel weitgehender Klimaneutralität ausgegeben. Mittlerweile folgen viele, auch große Volkswirtschaften, den EU-Plänen: Unter anderem Japan, Südkorea, Kanada und Großbritannien, und womöglich bald auch die USA, planen, bis 2050 klimaneutral zu sein. China bekennt sich zur CO2-Neutralität bis 2060.
 

Großanlagenbau liefert umwelttechnische Lösungen

Dem im VDMA organisierten Großanlagenbau bieten sich dadurch Möglichkeiten, neue Produkte im Markt zu platzieren. Die Branche liefert ausgereifte umwelttechnische Lösungen und befähigt ihre Kunden zu einer energie- und ressourcenschonenden Produktion. Der Großanlagenbau ist damit einer der Wegbereiter der Energiewende und ein zentraler Partner der Industrie bei der Erreichung globaler Klimaziele.

  • Beispiele für die Leistungsfähigkeit des VDMA-Großanlagenbaus auf diesen Gebieten sind Anlagen für eine CO2-freie Energieerzeugung sowie besonders effiziente Verfahren zur Herstellung von Basischemikalien, mit denen sich der Energieverbrauch im Vergleich zu konventionellen Produktionsmethoden um mehr als 25 % senken lässt.
  • Ferner entwickelt die Branche Technologien, um das Abfallprodukt Kohlendioxyd in einen industriellen Rohstoff umzuwandeln. Dieses Carbon Capture and Usage (CCU) genannte Verfahren, das im Labormaßstab bereits seine Feuertaufe bestanden hat, wird derzeit an verschiedenen Standorten in Pilotanlagen getestet.
  • Andere umweltrelevante Themen, bei denen der Großanlagenbau eine Führungsrolle beansprucht, sind etwa der Bau von Recyclinganlagen, die Lieferung von Luftreinhaltungssystemen für industrielle Anwendungen und die Entwicklung von Technologien für die Produktion synthetischer Kraftstoffe, die sich ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe CO2-neutral herstellen lassen.

Wasserstoff als Energieträger

Darüber hinaus liefert der Großanlagenbau auch Elektrolyseure, also Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff, die in der Energiewirtschaft der Zukunft als Stromspeicher und Energieträger sowie als Reduktionsmittel, etwa in der Stahlindustrie, eine zentrale Rolle spielen könnten. 

Wichtige Maßnahmen in diesem Zusammenhang sind etwa höhere CO2-Preise, günstigere Stromkosten und vor allem ein konsequenter Ausbau der erneuerbaren Energien. Für eine Zwischenphase könnten auch Fördermittel notwendig werden, etwa um „grünen“ Stahl, Zement oder Aluminium, der noch deutlich teurer als herkömmliche Produkte ist, am Markt zu etablieren. Weiterhin sind bereits Diskussionen gestartet, die sich mit der Kennzeichnung dieser Produkte als „nachhaltig“ befassen.

 

Als Voraussetzung für die Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft muss die Politik jedoch zuerst verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, auf deren Basis die Unternehmen wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln können.