Duisburger Kraftwerk zieht Energie aus den Wellen vor Ostende

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Das Maschinenbauunternehmen Nemos hat ein Wellenkraftwerk entwickelt, das die Energie des Meeres weitaus effektiver nutzt als bisher getestete Anlagen. Nun ist ein Prototyp in Betrieb gegangen.

Nahe der Küste der belgischen Hafenstadt Ostende tanzt seit Kurzem ein länglicher gelber Schwimmkörper auf den Wellen. Es ist der Prototyp eines neuartigen Wellenkraftwerks, das so konstruiert ist, dass sie 70 % bis 80 % der Wellenenergie in Strom verwandelt. Bisherige Kraftwerke dieser Art kommen auf etwa 50 %.

Der Schwimmkörper hat eine Fläche von 8 mal 2 Metern. Mit 2 Seilen ist er mit der Unterkonstruktion verbunden, die vollkommen untergetaucht ist. Sie wird von einer Art Ankerkette festgehalten. Der Schwimmkörper zieht im Takt des Wellengangs an den beiden Seilen. Sie bewegen sich über eine Umlenkrolle, die mit dem Generator verbunden ist. Eine kraftvolle Feder zieht sie zurück, wenn die Welle ausläuft und der Schwimmkörper sich wieder absenkt.

Die Leistung der Anlage ist mit 10 Kilowatt noch bescheiden. „Später wollen wir in den Megawattbereich kommen“, sagt Martha. Der Prototyp ist, anders als die künftigen kommerziellen Anlagen, mit Solarzellen ausgestattet, die Strom für Sensoren und das Datenübertragungssystem erzeugen. Viel Mühe machte sich das Team außerdem mit der Entwicklung der Rückholfeder, die auch als Kurzzeitspeicher für die vom Schwimmkörper erzeugte kinetische Energie dient. Sie besteht aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Ihr Gewicht liegt um 75 % unter dem vergleichbarer Federn.

Das System ist an der Universität Duisburg-Essen ausgiebig getestet worden, ehe es nach Belgien transportiert und dort installiert wurde. Der erzeugte Strom ist zunächst stark schwankend. Von der Leistungselektronik wird er in Drehstrom mit einer Frequenz von 50 Hertz umgewandelt.

Es hat bereits zahlreiche Versuche gegeben, die Kraft der Wellen zu nutzen, etwa das Wellenkraftwerk in Gibraltar, das Wellenkraftwerk in Irland oder das Wellenkraftwerk in Spanien. Einen Durchbruch hat es – wohl auch aus Kostengründen – noch nicht gegeben, obwohl das World Energy Council das weltweite Potenzial der Wellenenergie mit 1 Terawatt angibt. Das entspricht 700 großen Kernkraftwerken. Ob Nemos daran etwas ändern kann, wird unter anderem der jetzt installierte Prototyp in Ostende zeigen.

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Quelle: Ingenieur.de