Russlands Werften bekommen mehr Aufträge

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Hoher Bedarf an Tankern, Flusskreuzfahrtschiffen und Schwimmbaggern

Russland hat riesigen Bedarf an neuen Schiffen. Der Staat versucht, immer mehr Aufträge im Inland zu platzieren. Allerdings sind die Kapazitäten der einheimischen Werften begrenzt.

Nach Angaben des führenden Ingenieurbüros für den Schiffbau MEB braucht Russland bis 2022 mindestens 300 neue Tanker, Massengutfrachter und andere Wasserfahrzeuge, um das wachsende Transportvolumen bewältigen zu können. Die Kapazitäten der russischen Werften reichen dafür jedoch nicht aus. Laut dem staatlichen Beratungsgremium Morskaja kollegija sind 2018 in Russland 51 Schiffe vom Stapel gelaufen, darunter 19 für militärische
Zwecke. Neu auf Kiel gelegt wurden 38 Schiffe.

Unter den zivilen Neubauten waren sieben Lastkähne (Bargen), sieben Trockenfrachter, fünf Motorboote, vier Fischfangschiffe, zwei Passagierschiffe und zwei Eisbrecher. Die meisten Schiffe haben die beiden Flusswerften AO Okskaja sudowerf (sechs Schiffe) und PAO Krasnoje Sormowo (vier Schiffe) zu Wasser gelassen.

Abweichende Zahlen zum russischen Schiffbau präsentierte das Marktforschungsinstitut Infoline. Demnach wurden 2018 insgesamt 89 Schiffe mit einer Tragfähigkeit von über 50 Tonnen fertiggestellt (2017: 98 Schiffe). Die Gesamttonnage stieg auf 287.000 Tonnen. Das ist ein Viertel mehr als im Vorjahr. Über 70 Prozent der Einnahmen entfielen auf Aufträge des Militärs.

Zwei Drittel der Umsätze erzielten die Werften der staatlichen Schiffbauholding OSK. Dahinter folgten die Werften der Holdinggesellschaft Ak Bars (http://www.abh.ru ) und der UCL Holding des Milliardärs Wladimir Lissin (http://www.uclholding.ru ).

Trotz der Umsatzzuwächse können Russlands Werften den Bedarf der einheimischen Reedereien nicht decken. Der Transport von russischem Erdöl auf dem Seeweg erfolgt überwiegend mit ausländischen Schiffen. Das Industrieministerium hatte deshalb schon 2015 einen Plan zur Importsubstitution im zivilen Schiff- und Offshore-Bau erstellt. Er sieht vor, die Fertigung von großen Öl- und LNG-Tankern, Transportschiffen, Schiffen zur Rohrverlegung, Bohrinseln sowie von Fabrikschiffen für Fischfang und -verarbeitung zu lokalisieren. Ersetzt werden sollen auch importierte Teile und Komponenten der Zulieferindustrie, wie Antriebs- und Steuertechnik, Kompressoren und Rettungsmittel.

Am 28. März 2019 hat die russische Regierung neue Lokalisierungsanforderungen für den Schiffbau festgelegt, deren Einhaltung zum Erhalt staatlicher Subventionen notwendig ist. Es handelt sich um Änderungen am Schiffsbauabschnitt der Verordnung Nr. 719, die festlegt, welche Produkte als russisch gelten können. Für Seeschiffe sind die Kriterien sehr weich. Dadurch kann beispielsweise die fernöstliche Werft Swesda ihre Öl- und Flüssiggas-Tanker teilweise vorgefertigt aus Südkorea beziehen und in Russland einfach zusammenbauen. Außerdem darf sie Teile und Baugruppen aus Südkorea importieren und montieren.

Hersteller von Fischerei-, Fluss- und Fluss-See-Schiffen müssen dagegen den Lokalisierungsgrad bis 2024 von 60 auf 90 Prozent erhöhen. Bei Binnenschiffen müssen die Werften - zusätzlich zu den Anforderungen an die Vorlage des technischen Projekts, die Fertigstellung, die Prüfung und Inbetriebnahme des Schiffes - den Rumpf aus
Sektionen fertigen, die in der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) hergestellt wurden.

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Quelle: gtai