Australiens Osten lechzt nach Gas

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Neue Gasprojekte und Pipelines sollen die Versorgung sichern

Der Gasmarkt in Australien ist paradox. Das Land ist der weltweit größte Gasexporteur, dem
heimischen Markt droht jedoch ein Versorgungsmangel. Nur neue Investitionen können helfen.
Der Gasmarkt an Australiens Ostküste steckt in einer Krise. Um die Versorgung der großen Verbrauchszentren mit den Metropolen Melbourne und Sydney sicherzustellen, sind in den kommenden Jahren Investitionen in neue Gasquellen unausweichlich. Viele Jahrzehnte funktionierte der Eastern Australian Gas Market autark. Dank großer Gasreserven war die Eigenversorgung gesichert. Gas aus Offshore-Feldern vor der Küste Victorias oder aus dem im Inland gelegenen Cooper Basin wird über ein mehr als 30.000 Kilometer langes Pipelinenetz an Kunden in den Bundesstaaten South Australia, Victoria, New South Wales, Queensland und Tasmanien geliefert.

Nun gehen die Reserven in den bekannten Gasfeldern immer stärker zur Neige. Die Förderleistung der Offshore-Plattformen im Osten des Landes könnte bis 2030 um durchschnittlich 8,1 Prozent pro Jahr zurückgehen. Dabei nützt es wenig, dass Australien im November 2018 zum weltweit größten Exporteur von Flüssigerdgas (Liquified Natural Gas, LNG) aufgestiegen ist.

Denn sieben der insgesamt zehn australischen LNG-Anlagen liegen in den Bundesstaaten Western Australia und Northern Territory und sind gar nicht mit dem östlichen Gasnetz verbunden. Von der Regierung in Auftrag gegebene Studien betrachten den Bau einer Pipeline nach Westaustralien als nicht wirtschaftlich. Also bleibt derzeit nur, mehr Onshore Gas aus den Surat und Bowen Basins in Queensland in den östlichen Gasmarkt zu leiten. Und genau darin liegt die Krux: Die dortigen Vorkommen an Kohleflözgas (Coal Seam Gas, CSG) wurden vor allem erschlossen, um die drei weiteren, erst in den vergangenen Jahren gebauten LNG-Anlagen für den Export zu beliefern. Diese befinden sich bei der Stadt Gladstone und verfügen über eine Gesamtkapazität von 25,3 Millionen Tonnen pro Jahr.

Die Betreiber der Anlagen haben langfristige Abnahmeverträge mit Kunden in Asien. Durch die entstehende
Nachfragekonkurrenz ist der vormals isolierte Eastern Australian Gas Market nun mit dem Weltmarkt für LNG
verknüpft. Gaskunden im Südosten Australiens müssen höhere Preise zahlen, um an das eigentlich für den Export bestimmte Gas aus Queensland zu kommen. Historisch lag der Gaspreis an der australischen Ostküste bei 3,5 bis 4 Australische Dollar ($A) pro Gigajoule, mittlerweile müssen in der Regel 8 bis 10 $A pro Gigajoule gezahlt werden.

Branchenexperten befürchten, dass der lokale Gaspreis wegen zunehmender Knappheit bis 2030 um weitere 70 Prozent steigen könnte. Die Regierung droht deshalb durch den Australian Domestic Gas Security Mechanism mit Exportbeschränkungen. Unter Marktteilnehmern besteht Konsens, dass dringend frische Gasquellen für den Osten Australiens gefunden werden müssen.

Im Offshore-Bereich gab ExxonMobil Anfang 2019 das West Barracouta Vorhaben bekannt. Die neue Förderstätte in der Bass-Meeresstraße soll rund 410 Millionen US-Dollar (US$) kosten und 2021 den Betrieb aufnehmen. Unternehmen wie Beach Energy und Cooper Energy planen in den kommenden Jahren mehrere Bohrungen vor der Südostküste Australiens. Die Regierung des Bundesstaates Victoria weist zudem neue Explorationsgebiete aus. Nach Einschätzung von Branchenexperten sind in den östlichen Offshore-Gebieten jedoch nur noch vergleichsweise kleine Gasfunde zu erwarten.

Quelle: gtai

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