Hier entsteht das chinesische Papenburg – nur größer…

VDMA / Schlegel

Im Rahmen der Gespräche der VDMA-Unternehmerdelegation „Cruise and Ferry Shipbuilding in China“ am 4. Dezember mit dem Staatskonzern China Merchants erhielten die deutschen Besucher aus erster Hand Informationen zu den konkreten Planungen vor Ort in Haimen, nördlich von Shanghai.

Das Staatsunternehmen baut derzeit seine Aktivitäten im Schiffbaubereich deutlich aus. Zu den bisherigen Schiffbauunternehmen des Konzerns unter der Industriesparte CMHI (China Merchants Heavy Industry) kommen aktuell die bedeutenden Werften AVIC Weihai und Jinling Shipyard hinzu, die beide auch im RoPax-Segment aktiv sind. Gleichzeitig baut die Gruppe eine eigene Kreuzfahrtreederei auf und folgt damit konsequent der staatlichen Industriestrategie. Die eigenen Schiffbauaktivitäten sollen helfen, eine Flotte großer Kreuzfahrtschiffe für den chinesischen Markt aufzubauen, für die die Nachfrage rasant steigen soll.

Konkret hat man auf der Werft am Standort Haimen, auf der man derzeit mit dem Bau von Expeditionskreuzfahrtschiffen für die amerikanische Reederei SunStone Erfahrungen sammelt, detaillierte Analysen des Marktes und der weltweiten Erfahrungen im Bau großer Kreuzfahrtschiffe vorgenommen. Im Rahmen der bevorstehenden Großinvestitionen wird unmittelbar neben der bestehenden Werft eine neue Spezialwerft entstehen, die dem Muster der Meyer-Werft in Papenburg folgt. Das überdachte Baudock soll jedoch gleich zu Anfang größer als beim Vorbild dimensioniert werden, um zukünftige noch größere Neubauten (300.000 BRZ und mehr) aufnehmen zu können. Die Werftanlagen sollen nach den konkreten Planungen des Unternehmens in 3 Jahren stehen, im Folgejahr soll dann das erste große eigene Kreuzfahrtschiff ausdocken. Die Strategie von China Merchants zielt mit verschiedenen Maßnahmen parallel auch auf den Aufbau einer eigenen lokalen Zulieferindustrie, durch Partnerschaften und Joint Ventures mit erfahrenen ausländischen Unternehmen sowie den Aufbau von Produktionsstätten in unmittelbarer Nähe der Werft, vor allem für den Innenausbau. Da die Maßnahmen des finanzstarken Staatskonzerns die politischen Vorgaben aus Peking zum Einstieg in den Kreuzfahrtschiffbau konsequent aufgreifen, bestehen bei Experten wenig Zweifel an der zügigen Umsetzung.

Auch die bekannten staatlichen Schiffbaugruppen CSSC und CSIC sowie die Fujian Provinz verfolgen ähnliche Investitionsprogramme auf verschiedenen Werften, wobei sich aber keines so stark an der deutschen Meyer-Werft anlehnt. Die VDMA-Delegation lernte u.a. die aktuellen Planungen von CSSC / Waigaoqiao Shipyard unmittelbar kennen. Für die Unternehmen der deutschen Schiffbau-Zulieferindustrie  kommt es nun darauf an, die richtige China-Strategie gegenüber diesen mächtigen Staatsunternehmen zu finden. Das Thema wird zum Anfang des kommenden Jahres im Vorstand und in der Fachgruppe „Cruise & Ferry Equipment“ des VDMA intensiv vertieft werden. 

Für weitere Informationen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an

Hauke Schlegel, VDMA, Marine Equipment and Systems
Tel.: +49 40 507 207-17, E-Mail: hauke.schlegel@vdma.org

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