China baut dominante Position in Iran weiter aus

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US-Sanktionen veranlassen westliche Firmen zum Rückzug - Peking will die Lücken füllen

Schon heute ist China Irans führender Handelspartner und Projektfinanzierer. Der amerikanische Ausstieg aus dem Atomabkommen und der dadurch verursachte Rückzug europäischer und anderer westlicher Unternehmen bieten China nun weitere Expansionschancen. Zudem wird Peking jetzt von Teheran eine langfristige Absicherung der weiter wachsenden chinesischen Dominanz fordern. Damit würde der westlichen
Konkurrenz nach einem Ende der "Trump-Ära" der Zugang zum iranischen Markt erheblich erschwert.

Schon vor dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen im Mai konnten europäische Unternehmen in Iran geplante Großprojekte aufgrund fehlender Finanzierungen nicht realisieren. Hintergrund war die Angst westlicher Banken, gegen die zahlreichen auch nach der Anfang 2016 erfolgten Sanktionslockerung fortbestehenden US-Sanktion zu verstoßen. Durch die Reaktivierung der bislang aufgehobenen oder ausgesetzten US-Sanktionen
im August beziehungsweise November wird der Handlungsspielraum für westliche Firmen sehr eng. Aufgrund einer relativ großen Unabhängigkeit vom amerikanischen Finanz- und Bankensystem stellen die US-Sanktionen für China ein deutlich geringeres Problem dar.

Führender Handelspartner und Projektfinanzierer In den Jahren vor Lockerung der Sanktionen konnte China seine Position als Irans wichtigster Lieferant stark
ausbauen. China ist zudem Irans größter Abnehmer von Öl- und Nicht-Ölprodukten. Nach chinesischen Angaben erhöhten sich die Ausfuhren nach Iran zwischen 2008 und 2014 von 8,2 Milliarden auf 24,3 Milliarden US-Dollar (US$), gingen aber 2015 auf 17,8 Milliarden US$ zurück. Die chinesischen Importe aus Iran erreichten ölpreisbedingt 2011 einen Spitzenwert von 30,3 Milliarden US$ und lagen 2015 bei nur noch 16,1 Milliarden US$.

Im Januar 2016 vereinbarten China und Iran, in den nächsten zehn Jahren ein bilaterales Handelsvolumen von insgesamt 600 Milliarden US$ anzustreben. Dieses ambitionierte Ziel erscheint den meisten Beobachtern zwar als unrealistisch, aber angesichts der US-Sanktionen kann nun von weiteren kräftigen Zuwachsraten ausgegangen werden. Im ersten Jahr der Sanktionslockerung (2016) gingen Chinas Exporte nach Iran deutlich auf 16,4 Milliarden US$ zurück, stiegen aber 2017 wieder auf 18,6 Milliarden US$. Die chinesischen Bezüge aus Iran sanken 2016 ölpreisbedingt auf 14,8 Milliarden US$ und stiegen 2017 auf 18,6 Milliarden US$.

Um die bilaterale Zusammenarbeit weiter zu vertiefen und zu erleichtern, wurde im Dezember 2017 vereinbart, zukünftig den Renminbi Yuan (RMB) zur Abwicklung der Ölgeschäfte zu benutzen. Im Juni (2018) haben Peking und Teheran erklärt, auch für andere Handels- und Finanztransaktionen den RMB zu verwenden.

Die chinesisch-iranischen Aktivitäten gehen weit über den Handelsaustausch hinaus. China ist in Iran auch der größte ausländische Investor beziehungsweise Financier. Chinesische Firmen sind in vielen Wirtschaftszweigen aktiv, Beispiele sind die Bereiche Öl- und Gasförderung, Petrochemie, Verkehrsinfrastruktur, Kraftwerke, Bergbau, Metallerzeugung und  Automobilindustrie. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA hat allein
die China Exim Bank in Iran über 26 Projekte im Wert von 8,5 Milliarden US$ finanziert.

Textquelle: gtai

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Verena Röschmann, VDMA, Marine Equipment and Systems
Tel.: +49 40 507 207-11, E-Mail: verena.roeschmann@vdma.org